Interview mit ruedione

Geschrieben von Markus | 13 Jan 2010 | kommentieren | trackback

Zurückblickend stand 2009 bei uns so Einiges auf dem Plan. Nicht zuletzt der Besuch von Autor und Fotograf ruedione (www.ruedione.de). Anläßlich seines kürzlich erschienenen Fotobandes “ruedione’s Backflashes – graffiti tales” hat er einige Exemplare exklusiv für die beteiligten Künstler signiert. Während er fleißig mit dem Marker zu Gange war, haben wir natürlich die Gelegenheit genutzt, um mit ihm über das Buch, die perfekte Nacht und seinen Plänen für die Zukunft zu reden.

Wie fühlt es sich an, nach diesem langen Entstehungs-Prozess von sechs Jahren endlich das fertige Buch in den Händen zu halten?

Das ist natürlich ein gutes Gefühl (grinst). Nach sechs Jahren Arbeit und unzähligen einzelnen Fotoserien ist es schön nun das Gesamtwerk in den Händen zu halten. Aber ich muss auch gestehen, dass es nach diesem langen Entstehungs-Prozess auch gut ist, mental mit “Backflashes” abzuschliessen zu können, um mich wieder auf neue Projekte zu konzentrieren …

Bisher hat bei Publikationen zum Thema Graffiti eher das farbige Resultat “Graffiti” im Vordergrund gestanden, du beleuchtest das Thema von einer eher ungewohnten und auch sehr persönlichen Perspektive. Warum?

“ruedione’s BACKFLASHES – graffiti tales” ist kein Buch über Graffiti an sich, über bunte Wände oder fertige Pieces. Es ist ein Buch über das Feeling, das der Writer beim Sprühen erlebt. Dieses Gefühl war für mich immer sehr, sehr wichtig und mein Ziel war es dieses Gefühl zu visualisieren. Das Mystische, das Aufregende, das die Leute dazu bewegt nachts raus zu gehen und zu Sprühen. Mit der Kamera habe ich eine Möglichkeit gefunden dieses Gefühl für die Erinnerung einzufangen. Durch das Medium Foto kann man immer wieder in diese Momente eintauchen und ich kann die Aufnahmen später natürlich auch einmal meinen Kindern zeigen.

Dose oder Kamera. Wofür würdest du dich in einer guten Nacht entscheiden?

Auf jeden Fall für die Kamera! Ich bin definitiv ein besserer Fotograf als ein richtig guter Sprüher. Mein Anspruch an Qualität wird beim Fotografieren erfüllt, beim Sprühen jedoch nicht. Beim Fotografieren kann ich mich ausleben, experimentieren, meinen Ansprüchen gerecht werden.

Welche Aufnahme ist dein persönlicher Favorit?

Mein absoluter Favorit hat es leider nicht ins Buch geschafft, da die Aufnahme für das Layout viel zu abstrakt und verschwommen ist. Das Foto dokumentiert das Sprühen einer “second outline”, was für mich persönlich immer einen ganz besonderen Moment dargestellt hat, da es meiner Meinung nach das Gesamtwerk um mindestens 30 % aufwertet. Aus dem Buch favorisiere ich die Aufnahmen aus Heidelberg und Sao Paulo. Aus meiner Sicht wird hier am intensivsten das Feeling transportiert, dass ich beim Sprühen durchlebt habe und das für mich den Reiz an der ganzen Sache ausgemacht hat.

Warum hast du dich für den Publikat Verlag entschieden und wie hat dir die Zusammenarbeit gefallen?

In erster Linie natürlich aus freundschaftlichen Gründen, da ich schon seit vielen Jahren gut mit Krixl, dem Mitbegründer des Verlags, befreundet bin. Ein weiterer ausschlaggebender Grund für die Wahl von Publikat war für mich, dass der Verlag direkt aus der Szene heraus entstanden ist und wohl wie kaum ein anderer Verlag das Thema Graffiti so nachvollziehen und mit der nötigen Erfahrung umsetzen kann. Das ist mir bei dem Entstehungsprozess sehr wichtig gewesen und hat die Zusammenarbeit ungemein vereinfacht.

Welche Projekte stehen für die Zukunft an?

Für die Zukunft steht Einiges auf dem Plan. Aktuell arbeite ich an einem sehr umfassenden und spannenden Projekt, bei dem ich weltweit eine Auswahl von ca. 90 Protagonisten der Graffitibewegung in ihrem alltäglichen Leben mit Fokus auf Person und Lebensumfeld portraitiere. Anfang kommendes Jahr wird ein Portrait-Bildband über meinen Freund Stefan Strumbel, den ich in den letzten fünf Jahren fotografisch begleitet habe, herauskommen. Dann möchte ich noch eine zweite Bildband über das “Montana Writer Team” realisieren, diesmal mit mehr Fokus auf das was während der Aktion so gelaufen ist, und ein weiterer Bildband über die Beweggründe und die Motivation die hinter Graffiti steckt. Also mir wird nicht langweilig (lacht).

Interview: Anna Morgenroth


Kategorien:

Graffiti, Interview, Publikat Books


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